Tag 18: Über die plötzliche Erkenntnis, erwachsen zu sein.

Es gibt jetzt wirklich kein Zurück mehr.
Das wurde mir letztens in einer ganz alltäglichen Situation klar: Ich saß mit meinem Freund in einem Café und wir haben uns darüber unterhalten, was das Jahr 2018 für uns bringen wird. Und als wir auf die zweite Hälfte des Jahres zu sprechen kamen, auf die letzten Monate von 2018, habe ich es schlagartig realisiert.
Ich feiere noch in diesem Jahr meinen 25. Geburtstag.

25 Jahre sind ein Viertel von Hundert.

25 Jahre sind nur noch 5 Jahre bis zur 30.

Mit 25 Jahren ist man schon 7 Jahre volljährig.

Mit 25 Jahren hat meine Mama mich zur Welt gebracht.

Vor 10 Jahren dachte ich, dass ich mit 25 mein Leben komplett im Griff haben würde.
In meiner jugendlichen Vorstellung war ich dann total erwachsen und wusste genau, was Sache ist. Ich fühle mich heute leider alles andere als total erwachsen, ich hatte mein Leben selten so wenig im Griff wie im Moment und ich weiß auch wirklich nicht, was Sache ist.

Als ich also in diesem Café saß und mir plötzlich klar wurde, dass ich noch in diesem Jahr ein Alter erreichen werde, das für mich früher immer so unglaublich erwachsen und reif klang, wurde mir kurz übel.
Wo sind denn auf einmal die ganzen letzten Jahre geblieben?
Habe ich nicht gestern noch die Poster von Tokio Hotel an den Wänden meines Kinderzimmers angeschmachtet und in all’ meinen Träumen Tom Kaulitz geheiratet?
Lief nicht eben noch jeden Abend Bibi und Tina aus meinem Kassettenrekorder, während ich an meinem Schreibtisch saß und gemalt habe oder handgeschriebene Romane verfasste? War es nicht letzte Woche, dass ich spätabends mit dem neuen Harry Potter Roman unter der Decke lag und ihn innerhalb weniger Nächte zu Ende las, obwohl am nächsten Morgen Schule war?
Habe ich nicht vorhin noch auf meinem, eben schon erwähntem, Kassettenrekorder selbsterfundene Hörspiele mit meinem Papa und später mit Nana aufgenommen?
Wie kann es sein, dass das alles so schnell ging?! Ist mein Lebenskapitel „Kindheit und Jugend“ wirklich endgültig abgeschlossen?

Doch noch dringlichere Fragen gingen mir durch den Kopf:
Wieso habe ich, obwohl ich ja weiß, dass die Tokio Hotel- und Bibi und Tina-Zeiten irgendwie vorbei sind, immer noch das Gefühl, genau dieselbe zu sein, wie damals?
Wieso habe ich oft immer noch ähnliche Ängste und Sorgen, wie an den Abenden, die ich vor meinem Schreibtisch in meinem Kinderzimmer saß?
Wieso habe ich manchmal so große Lust, diese Zeit noch einmal zu durchleben?
Wieso rufe ich heute immer noch, bei so ungefähr jedem einzelnen Problem, das ich habe, meine Eltern an?
Ich werde doch jetzt verdammt noch mal 25 Jahre alt.

Ich habe früher nie verstanden, warum die Erwachsenen ein Problem mit ihrem Alter hatten und nicht so gerne darüber sprachen, dass sie bald 40 oder 50 oder 60 wurden.
Heute frage ich mich, ob das nicht vielleicht einfach daran liegt, dass man sich dann auch immer noch so fühlt wie ich jetzt, mit meinen zarten 24, und man einfach nicht fassen kann, dass man wirklich schon erwachsen ist.
Es geht einfach alles so schnell und wenn ich sehe, dass die Ersten in meinem Umfeld sich verloben, heiraten, einen festen Job haben, bald sicherlich die ersten Babys unterwegs sind, möchte ich manchmal rufen: „Halt! Wartet doch mal! Wir sind doch noch so jung!“

Aber so darf man die Sache mit dem Erwachsen werden wahrscheinlich einfach nicht angehen. Denn es gibt vermutlich sowieso nicht DAS eine Alter, in dem wir alle reif sind und total unabhängige Entscheidungen treffen, aufhören, unsere Eltern um Rat zu fragen, aufhören, Bibi und Tina zu hören (was ich übrigens bis heute nicht getan habe und auch nicht plane, bald zu tun, seien wir mal ehrlich), alleine leben, Steuern zahlen, Kinder kriegen und heiraten.
Das wäre ja auch ziemlich langweilig.
Jeder von uns braucht vermutlich unterschiedlich lange, um sein Leben in den Griff zu bekommen und zu verstehen, was Sache ist. Und selbst, wenn man das nie so richtig hinbekommt – so what?

Ich habe jedenfalls für mich beschlossen, dass ich eigentlich nie so richtig erwachsen werden möchte.
Und da ich aber akzeptieren muss, dass es nun wirklich kein Zurück mehr gibt und die 25 in diesem Jahr unweigerlich kommen wird, schaue ich am besten einfach nach vorne.

 

 

 

 

 

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