Tag 10: 15 Dinge, die ich in meiner Fernbeziehung gelernt habe

Mein Freund und ich, wir führen seit längerer Zeit eine Fernbeziehung. Sie hatte bereits verschiedene Dimensionen; mal lebten wir auf unterschiedlichen Kontinenten, mal in einem anderen europäischen Land, manchmal „nur“ in verschiedenen deutschen Städten. Dieser Zustand wird wohl auch noch einige Jahre andauern. Das ist nicht immer einfach, vor allem aber ein Lernprozess.
Hier ein kleiner Auszug der Dinge, die ich in den letzten Jahren für mich erkannt habe:

  1. FaceTime und Skype sind meine absoluten Lebensretter.
  2. Genauso wie die Sparpreise der Bahn, die mich bereits mehrfach vor meinem finanziellen Ruin bewahrt haben.
  3. Apropos Bahn fahren: ich habe gelernt, dass nach fünf oder sechs Stunden im ICE der Po extrem wehtut, auf Toilette gehen im Zug meist wirklich keine gute Idee ist, Sitzplatzreservierungen eigentlich nicht notwendig sind, man im Notfall immer im Speisewagen sitzen kann und das WLAN der Bahn einfach aus Prinzip nicht funktioniert.
  4. Ich kenne mehr (Fernbus-) Bahnhöfe in Deutschland in- und auswendig, als ich je für möglich gehalten hätte.
  5. Ich habe Orte kennengelernt, von denen ich vorher teilweise nicht mal wusste, dass sie existieren.
  6. Mein Portemonnaie ist kurz davor zu platzen. Leider nicht durch vieles Bargeld, sondern durch die ganzen Serways-Tickets, die ich auf den unzähligen Autofahrten zu meinem Freund gesammelt habe.
  7. Es lohnt sich definitiv in ein Handy mit ausreichend Speicherplatz zu investieren, weil man sich im Laufe der Wochen und Monate wahnsinnig viele Bilder, Sprachnachrichten, Screenshots, Internet-Links und Videos hin- und herschickt.
  8. Meine Arbeitswoche ist noch viel voller als früher, da ich versuche, alle wichtigen Termine, Verabredungen und Aufgaben in die Woche zu legen, damit ich am Wochenende genug Zeit für meinen Freund habe.
  9. Generell bekommen Wochenenden und Feiertage eine komplett neue Bedeutung. Man lebt sozusagen für sie. Dafür hat man unter der Woche mehr Zeit für seine Freundinnen, wenn der Partner weit weg wohnt.
  10. Sonntage waren früher immer meine Lieblingstage. Das hat sich geändert. Heute sind sie häufig Tage der Verabschiedung und auch wenn ich vorher ja weiß, dass das Tschüß-Sagen kommen wird und es nicht für immer ist, trifft es mich jedes Mal aufs Neue wie ein Schlag ins Gesicht.
  11. Wenn man den Partner nach einer längeren Zeit wiedersieht, fühlt man sich dafür aber wie frisch verliebt. Aufgeregt sein, auf das Treffen hinfiebern, gut aussehen wollen – das volle Programm.
  12. Wiedersehensfreude ist tatsächlich die allerallerschönste Freude. Mit Abstand.
  13. Die Sätze: „Also ich könnte das ja wirklich nie, was ihr da macht“ oder „Krass, dass ihr noch zusammen seid“ kann ich langsam nicht mehr hören.
  14. Blindes Vertrauen ist das A und O. Nicht nur in einer Fernbeziehung, aber vor allem da.
  15. Zeitverschiebungen sind unglaublich scheiße. Genauso wie teure Flüge, Geburtstage ohne den Freund zu feiern oder bei besonderen Ereignissen im Leben des Anderen nicht dabei sein zu können.

Aber trotz der ganzen Dinge, die vielleicht schwierig sind an meiner Fernbeziehung, den zahlreichen Momenten, in denen mir einfach nur zum Heulen zumute war, den einsamen Nächten, diesem schrecklichen Gefühl des Vermissens – eine Fernbeziehung kann eine unglaubliche Bereicherung sein, wenn man sich nur darauf einlässt! Denn dass man sich so doll vermisst, zeigt ja letztlich nur, wie sehr man sich liebt. Man weiß den Anderen durch die Entfernung viel mehr zu schätzen, nimmt die Beziehung nicht als etwas Selbstverständliches hin, freut sich auf jedes Treffen, und wenn es nur für ein paar Stunden ist, und auf gemeinsame Wochenenden wie ein kleines Kind, lernt im besten Fall gemeinsam die Welt kennen und hat stets das große Ganze im Blick. Jeder verfolgt seine eigenen Ziele, kann sich entfalten, seinen eigenen Weg gehen, aber am Ende: führen unsere Wege immer wieder zueinander zurück. Egal ob wir vorher 100, 500 oder 6.000 Kilometer voneinander entfernt waren, wenn mein Freund und ich uns nach einer längeren Zeit des Nicht-Sehens wieder in die Arme nehmen, ist es, als hätte es nie eine Distanz gegeben.

 

2 Gedanken zu “Tag 10: 15 Dinge, die ich in meiner Fernbeziehung gelernt habe

  1. Schönen Blog hast du! Bin froh über ihn gestolpert zu sein 🙂 Bin schon gespannt auf weitere Beiträge!

    Von einer Fernbeziehungsleidensgenossin 😛 Obwohl ich diese Form der Beziehung eigentlich als sehr positiv empfinde 🙂

    Lieben Gruß

    Gefällt 1 Person

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