Tag 7: Kraterlandschaft und menschlicher Wackelpudding – meine Freunde fürs Leben.

Als ich in meinen Teenagerjahren war, hatte ich eine klare Vorstellung von der Nana in 10 Jahren. Ich stellte mir mich selber so vor:

  • in einer glücklichen, festen Beziehung mit Aussicht auf Familiengründung
  • bestenfalls abgeschlossenes Studium und eventuell sogar schon berufstätig
  • 58 kg und Größe 36
  • voll durchtrainiert
  • glücklich mit meinem durchtrainierten Körper und meinem super gesunden healthy lifestyle

Nun, machen wir doch mal ein kleines Zwischenresümee.

  • Punkt 1: Total fehlgeschlagen. Mehr sage ich dazu nicht.
  • Punkt 2: Naja, ich hab zumindestens schonmal meinen Bachelor. Fehlen nur noch sechs Jahre Ausbildung, aber man muss sich das ja schön reden. 1/3 ist geschafft – immerhin.
  • Punkt 3: Einige Kilos und Kleidergrößen davon entfernt. Führt mich zu Punkt 1: ich habe eine glückliche, feste Beziehung, jedoch ohne Aussicht auf Familiengründung – mit Essen. Ich habe mal jemanden kennengelernt, der nach ein paar Treffen mit mir sagte: ich kenne niemanden, der Essen so liebt wie du. Ich weiß nach wie vor nicht, ob das ein Kompliment oder eine Beleidigung sein sollte…
  • Punkt 4: Sicherlich habe ich einige Muskeln, die sehr trainiert sind. Meine Kaumuskulatur zum Beispiel. Wegen der muss ich sogar regelmäßig zum Physiotherapeuten gehen – Diagnose: Überlastung.
  • Punkt 5: Ich bin glücklich. Zwar nicht aus den oben genannten Gründen, dafür gibt es aber 300 andere Gründe, die mich glücklich machen. Healthy Lifestyle stimmt sogar, denn ich ernähre mich glutenfrei. Nein, das mache ich nicht aus diättechnischen Gründen – ich bin tatsächlich allergisch, aber das ist ein anderes Thema.

Wenn ich mir das so anschaue, muss ich schmunzeln. Vielleicht könnte ich traurig oder verzweifelt sein, weil ich Ziele, die ich mir irgendwann mal gesetzt habe, nicht erreicht habe. Aber was für Ziele sind das eigentlich? Warum hat mein dummes, kleines Ich vor 10 Jahren nicht Ziele gehabt, die wirklich wichtig sind? Gesundheit für meine Familie und mich zum Beispiel oder loyale Freunde an meiner Seite haben oder die Möglichkeit, meine Träume leben zu können. Weil mir schon damals ein Bild vor die Nase gehalten wurde, dass man nur schön ist, wenn man schlank ist. Dass man nur Erfolg hat, wenn man dementsprechend aussieht. Natürlich haben mir meine Eltern diese Flausen nicht in den Kopf gesetzt. Ich glaube es war eher mein soziales Umfeld, die Dinge, die ich schon damals sehr bewusst wahrgenommen habe. Außerdem war ich auf einer reinen Mädchenschule – muss ich mehr sagen?

Aber kommen wir zum Status quo. Ich frage mich, ob sich an meiner Einstellung eigentlich irgendetwas geändert hat? Nein. Ich würde sagen, dass es noch schlimmer geworden ist – zumindestens für mich. Und wer ist mal wieder Schuld dran? Natürlich: Social Media. Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Social Media Fan (schließlich führe ich mit einigen Vertretern eine äußerst intensive Beziehung). Ich führe tagtäglich einen Kampf mit mir, der mich jeden Tag etwas stärker macht. Das kann ich aber nur, weil ich alt genug bin, um reflektieren zu können. Es gibt zahlreiche sozialpsychologische Studien, die das, was ich bei mir selber spüre, auch belegen. Instagram (o.ä.) macht uns unglücklich. Weil wir im andauernden Wettbewerb mit anderen, unserem Ego und unseren Träumen stehen. Wenn ich meinen Instagramfeed durchgehe, überkommt mich ganz manchmal so ein Gefühl: du bist nicht gut genug.

Aber bin ich wirklich nicht hübsch genug, weil ich nicht in Größe 36 passe? Ist Gewicht und Aussehen wirklich so wichtig in unserer Gesellschaft? Ich wiege vielleicht ein bisschen zu viel, habe Cellulite, Dehnungsstreifen und einige Stellen meines Körpers haben irgendwann beschlossen Wackelpudding sein zu wollen. Wisst ihr was? Ich lasse sie. Ich lerne. Das sind Dinge, die zweitrangig sind und nicht dafür sorgen, dass man ein glücklicheres Leben lebt. Ich werde nie zu den Frauen gehören, die normal essen und trotzdem schlank sind. Wenn ich dünn sein will, muss ich immer auf Diät sein. Ich muss immer aufpassen. Für mich ist das eine gewisse Art der Gesellschaftsunfähigkeit. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, es einfach sein zu lassen. Bei mir klappt eine Diät eh nur einen Tag. Spätestens dann überkommt mich entweder Heißhunger, Frust oder meine Familie zwingt mich etwas zu essen, weil ich zum Monster werde.

Ich bin noch im Wachstum. Mein Körper verändert sich. Spätestens bei meiner ersten Schwangerschaft werde ich sowieso aufgehen wie ein Hefekloß. Es gibt zwei Möglichkeiten, die mir am Ende bleiben: ständig unglücklich über mich selber zu sein oder mich einfach so zu akzeptieren, wie ich bin. Daran arbeite ich. Das strahlt man dann nämlich auch aus und nichts ist bekannterweise so attraktiv, wie ein gesundes Selbstbewusstsein.

 

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